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bude macht kra.walle

Es ist geschafft: Der lange und teilweise zähe Kaufprozess ist abgewickelt und im März haben wir endlich die Schlüssel bekommen: Die bude macht jetzt kra.walle!
Wir sind schon mitten drin in der Sanierungs- und Umbauphase und reißen fleißig Tapeten ab und Böden raus, demnächst dann auch mit Unterstützung von Handwerker*innen z.B. für unsere energetischen Sanierungsmaßnahmen. Unsere nächste intensive Sanierungs- und Umbauphase, bei der wir uns über jede Unterstützung freuen, ist vom 01.04-17.04.2022. Wir werden die restlichen Tapeten abreißen, Wände einreißen und alles was wir noch so schaffen. Um mitzuhelfen, braucht es keine Vorkenntnisse. Schreib uns einfach eine Mail an bambude(at)disroot.org und wir schreiben dir alle relevanten Infos. Oder trete dafür unserem Telegram Kanal bei.
Wir waren übrigens Anfang des Jahres im Deutschlandfunk. Die Sendung kannst du online nachhören.

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Raus aus dem Immobilienwahnsinn

Wir haben dem Weser Kurier ein Interview gegeben und daraus wurde dieser schöne Artikel:

Raus aus dem Immobilienwahnsinn

Eineinhalb Jahre haben neun junge Bremerinnen und Bremer nach einem großen Haus für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt gesucht. Nun sind sie in Walle fündig geworden.

Wie wollen wir wohnen und leben? Diese Frage führte vor etwa eineinhalb Jahren neun Bremerinnen und Bremer im Alter von 21 bis 34 Jahren zusammen. Jetzt sind sie im Begriff, gemeinsam eine Immobilie in Walle zu kaufen, die ausreichend Platz zum Wohnen und für gemeinschaftliche Aktivitäten bietet.
„Lieber 100 Freunde im Rücken als eine Bank im Nacken“ ist dabei das Motto der Gruppe, die zunächst den Verein Bude und mittlerweile eine gleichnamige GmbH gegründet hat. Denn gekauft werden soll das Haus nach dem Mietshäuser-Syndikatsmodell.

Die Geschichte beginnt im Sommer 2020. „Wir haben mit einigen Leuten zusammengesessen, uns über das Thema gemeinschaftliches Wohnen unterhalten und überlegt, was das eigentlich für uns bedeutet und was unsere Bedürfnisse und Ängste sind“, erzählt Marie Fessel.
Dabei zeigte sich schnell: Die Gesprächspartner einte nicht nur der Wunsch, gemeinschaftlich mit anderen in einem selbstverwalteten Hausprojekt zu leben. Auch ein zweiter Aspekt war allen sehr wichtig, schildert Fessel mit Blick auf stetig steigende Immobilienpreise und Mieten: „Die Idee, ein Haus von diesem Immobilienwahnsinn zu befreien.“
Schnell sei dabei das Stichwort Mietshäuser-Syndikat gefallen, ergänzt Ben Peters: „Dieses Modell ist inzwischen sehr bekannt, wenn man sich mit dem Wohnungsmarkt beschäftigt. Wir sind alle auf unterschiedliche Art politisiert, und wenn man sich mit Ideen dazu auseinandersetzt, sich vom Immobilienwahnsinn zu befreien, dann ist das eine der naheliegendsten Optionen. Wir kannten es unter anderem durch den Golden Shop im Viertel und andere Projekte.“

Wo Immobilien zu Anlage- und Spekulationsobjekten für Investoren werden, wird die Suche nach bezahlbarem Wohnraum schwieriger. Diese Erfahrung haben auch die Bude-Mitglieder gemacht, während sie eineinhalb Jahre lang Internetportale durchforsteten, Flyer verteilten, Politiker ansprachen und Immobiliengesellschaften abklapperten. „Meistens werden entweder Einfamilienhäuser angeboten oder größere Immobilien als Spekulationsobjekte, die völlig überteuert oder aber sofort weg sind“, erzählt Ben Peters: „Während wir erst einmal eine GmbH gründen und bestimmte Prozesse einleiten müssen, hat irgendwo ein Spekulant das Geld auf dem Konto und kann direkt überweisen.“
Etwas weiter draußen oder sogar auf dem Land wäre es vielleicht schneller gelungen, ein geeignetes Haus zu finden, vermutet Marie Fessel: „Aber wir wollten beides, Platz haben und nah an der Stadtmitte sein.“ Anfangs habe sich die Gruppe durchaus ein Wohnprojekt mit 20 bis 30 Leuten vorstellen können: „Aber das gab der Markt nicht her.“
Ihr selbst gesetztes Minimum von zehn Leuten haben die Neun nun zwar knapp verfehlt. Dafür wird ihr neues Zuhause aber ein Gästezimmer haben. Denn die frisch gegründete GmbH hat mittlerweile tatsächlich ein fast 100 Jahre altes Gebäude mit ausreichend Schlafzimmern, einem schönen alten Treppenhaus und dem Potenzial für große Gemeinschaftsräume gefunden. Und zwar in Walle, wo es auch schon Kontakte zu anderen Wohnprojekten an der Waller Mitte ganz in der Nähe gibt. Die Notarin ist gerade dabei, den Kaufvertrag aufzusetzen. Ab dem Frühjahr soll renoviert werden und im Sommer ist Einzug.
Bei den Preisverhandlungen über einen Makler sei nicht viel möglich gewesen, erzählt Marie Fessel, die zur Finanzierung erklärt: „Das Eigenkapital ist durch Direktkredite von verschiedenen Menschen zusammengekommen, und wir haben zusätzlich eine Bank. Es gibt mehrere Banken, die Lust haben, solche Projekte zu unterstützen.“ Die meisten Direktkredite stammten von Freunden und Verwandten, erzählt Ben Peters: „Und zum Teil auch von anderen Wohnprojekten oder von Leuten, die wir gar nicht kennen und die über unsere Flyer auf unser Projekt aufmerksam geworden sind.“
Um das Haus auch umbauen und sanieren zu können, will die Gruppe jetzt weitere Direktkredite einwerben. Solidarisch, nachhaltig und mit bis zu 1,5 Prozent verzinst – für die privaten Bude-Unterstützer seien die Darlehen ab 1000 Euro in vielerlei Hinsicht eine attraktive Geldanlage, ist Ben Peters überzeugt. „Auch wenn es eigentlich nicht unser Ziel ist, Geld zu verwalten.“ Aber auch das gehöre nun einmal zur Selbstverwaltung. Zum Glück seien in der Gruppe nicht nur Menschen, die am liebsten sofort die ersten Wände einreißen würden. Sondern auch solche, die sich gerne mit Excel-Tabellen beschäftigten, unterstreicht Marie Fessel: „Wir greifen außerdem durch die Vernetzung mit anderen Projekten auf Jahrzehnte von Wissen zu. Sie schauen auf den Finanzplan und es gibt Vorlagen für Bilanzen.“
Auch Eigentümern, die sich auf Sicht von ihren Immobilien trennen wollen, würden Fessel und Peters das Syndikatsmodell ans Herz legen: „Da weiß man, dass das Haus niemand kauft, der es später weiterverkaufen möchte.“

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Jetzt wird’s ernst!

Wir sind tatsächlich kurz davor einen Kaufvertrag aufzusetzen und bereiten gerade alles vor, damit wir dann auch mit gutem Gewissen unterschreiben können. Wir holen uns Expertise und Informationen zu energetischen Sanierungsmaßnahmen und zu unseren Umbauwünschen ein und versuchen dabei möglichst belastbare Zahlen für die Kosten herauszufinden. Hier ist aber noch einiges an Spielraum und die Kosten unterscheiden sich zum Teil sehr stark, je nachdem z.B. für welche Art von Heizung wir uns entscheiden oder wie viel wir in Eigenarbeit leisten können.
Umso besser, dass wir inzwischen Zusagen für Direktkredite in Höhe von insgesamt 300.000€ haben! Das sind fast 30% unserer gesamten Finanzierungssumme. Das ist FANTASTISCH! Damit wir möglichst viel Spielraum bei der Sanierung haben freuen wir uns aber auch weiterhin über jeden Direktkredit. Erzählt also gerne euren Freund*innen, Nachbar*innen und Bekannten von uns und der Möglichkeit uns mit einem Direktkredit zu unterstützen, z.B. indem ihr ihnen den Link zu unserer Website schickt.
Ein großer Pluspunkt an den Häusern, die wir kaufen, ist, dass sie direkt um die Ecke von der Waller Mitte sein werden. Das ist ein Platz der durch den Einsatz einer Bürgerinitiative erhalten werden konnte und an dessen Rand nun 3 Häuser gebaut werden, in die nächstes Jahr über 100 Menschen einziehen, die dort ebenfalls gemeinschaftlich wohnen werden. Falls ihr euch einen Eindruck davon verschaffen wollt, könnt ihr euch ein Video anschauen, dass auf dem Sommerfest im September entstanden ist. Wir waren auch dort und haben seitdem noch mehr Vorfreude auf unsere baldige Nachbarschaft.

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Der Traum ist Haus

Nach fast einem Jahr der Suche scheinen wir unserem Ziel näher zu kommen. Eine Immobilie in Walle würde genug Platz für uns, Gemeinschaft und für öffentliche Räume bieten. Das Haus ist außerdem direkt bei der Waller Mitte um die Ecke, wo bald über 80 Menschen in mehreren Wohnprojekten zusammen leben und neue Impulse in die Nachbarschaft geben werden. Da würden wir uns natürlich gerne anschließen. Wir werden das Haus nun von einem Bausachverständiger begutachten lassen. Falls dabei keine bösen Überraschungen zu Tage kommen, würden dann die Kreditverhandlungen mit der Bank und Preisverhandlungen mit dem Immobilienmakler beginnen. Das heißt auch, dass wir mit Hochdruck nach Menschen suchen, die uns Direktkredite geben. Denn je höher der Anteil der Direktkredite, desto günstiger werden die Finanzierungskosten und damit unsere Mieten. Und wie es so schön heißt „Lieber 1000 Freunde im Rücken als eine Bank im Nacken“. Deswegen sammeln wir bereits Absichtserklärungen für Direktkredite ein. Mehr Infos zu Direktkrediten. Es geht also jetzt in die heiße Phase und wir können hoffentlich bald mehr Infos zum Objekt mit euch teilen.

 

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Stellungnahme zur Sparkasse im Viertel

Als wir hörten, dass das Gebäude der Sparkasse im Viertel verkauft werden sollte, waren wir hellhörig und haben es uns gleich einmal angeschaut. Das große und markante Gebäude würde viel Raum für Kultur, Soziales und Gemeinschaftlichen Wohnraum bieten. Um dieser Perspektive Öffentlichkeit zu verschaffen, kontaktierten wir den Weser Kurier, der dazu dann am 19.05.2021 diesen Artikel veröffentlichte:

Freiräume für alle Menschen

Der Verein Bude sieht weitere Nutzungsmöglichkeiten des ehemaligen Sparkassengebäudes im Steintor. Die Mitglieder stellen sich dort Kulturveranstaltungen, soziale Projekte und Beratungsräume vor

Mit dem Wegzug der Sparkasse vom Steintor ins Ostertor steht nun ein markantes Gebäude im Stadtteil leer. Die Initiative Leben im Viertel (LIV) erhoffte sich bereits einen Kauf der Immobilie durch die Stadt, um sie dem Zugriff von Spekulanten zu entziehen und um den Bereich rund um die Sparkasse aufzuwerten (wir berichteten). Aber auch andere Akteure machen sich Gedanken über die Zukunft des Hauses.

„Grundsätzlich fanden wir es schön, dass das Gebäude Aufmerksamkeit erhalten hat“, sagt Ben Peters vom Verein Bude über die Berichterstattung. „Das ist ein wichtiges Gebäude für Bremen, das nicht einfach dem Markt überlassen werden sollte.“ Stadtprägend sei es und da stimmen sie auch der Initiative LIV zu. Im Gegensatz zu der von LIV angesprochenen Dealerei und der von ihr befürchteten Monokultur im Stadtteil sieht Bude aber eher die kontinuierlich steigenden Mieten und die dadurch einsetzende Verdrängung der Mieterinnen und Mieter als Problem an. Dass die Dealerei verdrängt werde, heiße nicht, dass es sie nicht gibt, sagt der Verein Bude und meint: „Nicht die Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen.“

Kulturprojekte und Soziales in der Sparkasse

Dem Verein, dem derzeit neun Personen angehören, gehe es um die positive Gestaltung des Gebäudes: Vorstellbar seien da zum Beispiel Kulturveranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen, soziale Projekte, Beratungsräume für Initiativen und im oberen Bereich Wohnraum.

„Der untere Raum ist groß, da kann viel selbst entschieden werden, was passiert“, fügt Rabea vom Verein hinzu, „es gibt eine Vielzahl an Initiativen, die barrierefreie Räume brauchen.“ Nach Ansicht von Bude fehlen überhaupt Freiräume und Orte, wo Menschen einfach verweilen können, ohne gleich etwas konsumieren zu müssen.

Insgesamt sieht Bude den ehemaligen Kassenbereich der Sparkasse als Veranstaltungsraum für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels an: „Und das steht in Kontrast zu denen, die dort mitbieten können, zum Beispiel Immobilienspekulanten“, sagt Ben Peters. Das Mindestgebot für die Immobilie beträgt knapp zwei Millionen Euro, der Zeitraum des Bieterverfahrens begann am 19. April und endete am 14. Mai. „Es ist völlig utopisch, dass Initiativen innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Finanzierungsplan erstellen. Sie bräuchten Zeit und Initiativen, die sich zusammenschließen.“

Verein Bude will kein privates Eigentum anhäufen

Auch, wenn schon alleine wegen des hohen Preises ein Erwerb dieses Gebäudes nicht möglich gewesen ist, so ist die Gruppe auch generell auf der Suche nach einem Haus mit Platz für mindestens zehn Menschen. „Es ist uns wichtig, kein privates Eigentum anzuhäufen und unsere Immobilie durch den gemeinschaftlichen Kauf in Zusammenarbeit mit dem Syndikat dem Markt und damit der Spekulation zu entziehen“, ist auf der Website des Vereins zu lesen, das angesprochene Syndikat ist dabei das „Mietshäuser Syndikat“. Sympathisierende Privatpersonen geben dabei Geld als Direktkredit, ein Umweg über eine Bank entfällt. „Wir wollen dem Immobilienmarkt ein Objekt entziehen und selbst einziehen“, sagt Rabea.

„Wenn man den Raum für ein Beteiligungskonzept öffnen würde, dann würde da einiges passieren“, ist sich Ben Peters sicher. „Ich würde hoffen, die meisten Menschen in der Nachbarschaft würden sagen, dass dies das Viertel bereichern würde.“